Berliner Morgenpost
Ressort Bezirke aus der Morgenpost vom Mittwoch, 19 Januar 2005

Kaum Interesse an Büros - Glaspalast verzögert sich

Mitte: Eröffnung war ursprünglich in diesem Jahr geplant

Von Rainer L. Hein

Eigentlich sollte der spektakuläre Glaspalast schon in diesem Jahr auf dem geschichtsträchtigen Grundstück Am Zirkus 1 im Hauptstadtbezirk eröffnet werden. Doch dieser Termin ist in die Ferne gerückt. Selbst bei optimistischer Einschätzung dürfte nicht vor 2007 der geplante Prachtbau auf dem Areal des einstigen "Großen Schauspielhauses" der Ära Max Reinhardts stehen. Nach Auskunft des Projektentwicklers, die Deutsche Immobilien GmbH - ein Tochterunternehmen der Deutschen Seereederei, Rostock -, sei "frühestens" mit einem Baubeginn Ende des ersten Quartals 2005 zu rechnen - "eher aber später", heißt es.

Doch auch dieser Termin steht keineswegs. Projektleiter Jan Reppin: "Wir haben momentan lediglich 30 Prozent der Gewerbefläche des Hauses vermietet." Zwar würden Verhandlungen mit verschiedenen Interessenten ganz positiv verlaufen, aber man müsse noch abwarten, bevor der erste Spatenstich getan wird, heißt es. Froh sei man indes, daß alle baurechtlichen Fragen geklärt sind. "Nach verschiedenen Einsprüchen von Anliegern ist alles jetzt rechtens und ein möglicher Baustop ausgeschlossen", so Reppin.

Der geplante neungeschossige Glaspalast ist nach Meinung von Bauexperten eine Meisterleistung der Hamburger Architekten Bothe Richter Teherani. Ein Solitärbaukörper, der auf den ersten Blick drei geschliffenen Edelsteinen gleichkommt. Mehr als 100 Millionen Euro soll das im Innenhof wie ein Canyon vom Wasser umspülte Gebäude kosten - bekanntlich mündet an dieser Stelle das Panke-Urstromtal in die Spree.

Fast zehn Jahre wurde um das Gelände am Schiffbauerdamm (vor dem Berliner Ensemble) und Reinhardtstraße gestritten. Noch bis Juli 2000 gehörte das Grundstück mehrheitlich den Erben Max Reinhardts, der Nazi-Deutschland 1932 für immer verlassen hatte. Die Deutsche Immobilien AG kaufte dann von den Nachkommen in New York das Areal für einen zweistelligen Millionenbetrag.

Der Glaspalast mit einer Bruttogeschoßfläche von 29 000 Quadratmetern soll neben Büros und Gastronomieflächen zu einem Drittel für Wohnzwecke genutzt werden. Dazu soll ein moderner Wellnessbereich mit Blick über die Dächer Berlins das Ensemble ergänzen.

Übrigens: Als Nachbarschaftssponsoring hat Bauherr Deutsche Immobilien eine großzügige Verpflichtung übernommen. Für die Neugestaltung des Bertolt-Brecht-Platzes werden 900 000 Euro zur Verfügung gestellt.