Berliner Morgenpost
Ressort Bezirke aus der Morgenpost vom Mittwoch, 19 Mai 2004

Brecht-Platz: Entscheidung für Neubau

Mitte: Verwaltungsgericht weist in erster Instanz Einspruch gegen Großprojekt zurück

Von Thomas Fülling und Rainer L. Hein

Im Streit um die Neugestaltung der Brache neben dem Berliner Ensemble ist eine wichtige Vorentscheidung gefallen: In einem Eilverfahren wies das Verwaltungsgericht gestern den Einspruch eines Anwohners zurück, der die geplante und vom Bezirk im Vorjahr genehmigte Bebauung des Grundstücks Am Zirkus 1 stoppen will.

Nach Plänen der in Hamburg ansässigen Deutschen Immobilien AG soll auf dem 5900 Quadratmeter großen Areal zwischen Reinhardtstraße und Schiffbauerdamm ein Komplex aus zwei Bürohäusern, einer Tiefgarage und einem Apartmenthaus mit 120 Wohnungen entstehen. Etwa 100 Millionen Euro soll das im Innenhof wie ein Canyon vom Wasser ausgespülte 30 Meter hohe Gebäude kosten.

Der Neubau Am Zirkus 1 passe nicht in die überwiegend kleinteilig bebaute Umgebung und bringe zusätzlichen Verkehrslärm in das Viertel, so der Vorwurf des Beschwerdeführers Edmund Strauß. "Ich bin nicht grundsätzlich gegen eine Bebauung des Areals, aber dieser Klotz fällt so groß aus, dass die Bewohner der gegenüberliegenden Häuser kaum noch die Sonne sehen werden", befürchtet Strauß.

Die 19. Kammer des Berliner Verwaltungsgerichts sah dagegen die Nachbarschaftsrechte nicht verletzt. Bei dem geplanten Neubau würden alle vorgeschriebenen Abstandsflächen eingehalten, auch gehe keine "erdrückende Wirkung" auf die Bewohner der Nachbargebäude aus, urteilten die Richter nach einem Ortstermin. Die Lärmbelastung durch den Zu- und Abfahrtverkehr werde innerhalb der zulässigen Toleranzen liegen.

Wann das Millionen-Großprojekt auf dem historisch bedeutsamen Areal startet, bleibt dennoch offen. Strauß-Rechtsanwalt Martin Fleckenstein kündigte Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht an. Zudem steht die Gerichtsentscheidung in der Hauptsache noch aus.

"Wir beginnen erst, wenn für uns Rechtssicherheit besteht", sagt Jan Reppin, Projektleiter der Deutschen Immobilien AG. Der Investor, eine Tochter der Deutschen Seereederei Rostock, hatte 2000 für einen zweistelligen Millionenbetrag das Areal Am Zirkus 1 gleich neben dem Bertolt-Brecht-Platz den Reinhardt-Erben abgekauft, die nach der Wende erfolgreich Restitutionsansprüche erhoben hatten. Bis zur Nazizeit und der folgenden Emigration stand dort das von Max Reinhardt gegründete Schauspielhaus. Umbenannt in "Theater des Volkes" wurde es dann zu DDR-Zeiten zum Friedrichstadtpalast, der 1985/86 wegen Baufälligkeit jedoch abgerissen werden musste.