Berliner Morgenpost
Ressort Bezirke aus der Morgenpost vom Mittwoch, 28 April 2004

Brechtplatz: Peymann streitet mit dem Bezirk

Mitte

Der Streit um die Neugestaltung des Bertolt-Brecht-Platzes spitzt sich zu. Bezirksamt Mitte und die Deutsche Immobilien AG halten an ihrem Konzept für die bis 2006 geplante Neugestaltung des Platzes am Berliner Ensemble fest. Es sieht vor, dass der Bertolt-Brecht-Platz nach der Umgestaltung begrünt ist.

Damit will sich Claus Peymann, Intendant des Berliner Ensembles, nicht abfinden. Er hält die Planung mit der begrünten Platte in der Platzmitte für "spießig und kleinkariert" und "grundsätzlich falsch". Es gehe um die grundsätzliche Entscheidung zwischen einer "Liegewiese" und einem typischen Stadtplatz, so Peymann auf der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschuss des Bezirks.

Protest gab es von Peymann auch gegen die geplante Verlegung des Bertolt-Brecht-Denkmals an den Rand des Platzes. "Ich möchte, dass der Brecht-Platz kein Kompromiss, sondern erste Sahne wird", zeigte sich der BE-Intendant kämpferisch.

Die Deutsche Immobilien AG, Investor des Neubaus auf dem Areal Am Zirkus 1, plant hingegen eine runde Rasenfläche auf einem 40 bis 50 Zentimeter hohen Sockel - in Anlehnung an Brechts "Kaukasischen Kreidekreis".

Bei einem Treffen aller Beteiligter Anfang April verständigte man sich auf leichte Korrekturen der Planung. So sollen die angrenzenden Straßen Am Zirkus und vor dem Theater angehoben werden. Sie sollen dann in einer Höhe mit dem inneren Bereich gepflastert werden. Dies würde den Platzcharakter betonen, so die Befürworter des Kompromisses.

Allerdings: Für die etwa 900 000 Euro teure Neugestaltung des öffentlichen Platzes kommt nicht der Eigentümer, der Bezirk, sondern die Deutsche Immobilien AG auf. Das Hamburger Unternehmen will Mitte Mai den ersten Spatenstich für den Neubau auf dem Grundstück Am Zirkus 1 setzen. Nach dem Baurecht ist der Investor lediglich zu einer Wiederherstellung des Platzes in den alten Zustand verpflichtet, sagte Baustadträtin Dorothee Dubrau (Grüne). Die Neugestaltung des Areals sei ein großes Entgegenkommen, das nicht durch immer neue Debatten gefährdet werden solle. "Es gibt klare Signale, dass eine andere Planung vom Investor nicht bezahlt wird", so Stadträtin Dubrau. Der Stadtentwicklungsausschuss des Bezirks Mitte konnte sich trotz dieser Mahnung nicht auf ein Votum zur Platz-Neugestaltung einigen. Diese soll daher in vier Wochen bei einem Vor-Ort-Termin erneut zur Diskussion gestellt werden.

fü/rh